Automobilzuliefererindustrie

Ein Automobilzulieferer liefert Bauteile oder ganze, vormontierte  Baugruppen, wie z.B. ein Armaturenbrett. Die Automobilhersteller erhalten die Produkte „mundgerecht“ ans Band, just in time, wie man in der Branche sagt. Aufgrund dieser engen, auf die Minute abgestimmte Zusammenarbeit, ist die Automobilzulieferindustrie einem extrem hohen Druck ausgesetzt. Insbesondere der massive Preisdruck führt dazu, dass Budgets für Forschung und Entwicklung  reduziert werden und sich das Innovationstempo verlangsamt. Die steigende Anzahl von Rückrufaktionen durch die Automobilhersteller sind ein Indiz für einen niedrigeren Qualitätsstandard.  

Branche in der Konsolidierungsphase

Seit Jahren befindet sich die Zulieferindustrie als wichtiger Bestandteil der Automobilindustrie  in einer Konsolidierungsphase, die aber nur zäh und schleppend voran geht. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Automobilhersteller in vielen Bereichen, besonders in produktorientierten Segmenten wie Bremsen oder Kolben, häufig wenig Interesse an einer weiteren Konsolidierung der Branche hat. Mit jedem Zulieferer, der aus dem Markt ausscheidet, nimmt der Wettbewerb weiter ab und die Marktmacht der verbleibenden Anbieter wächst.

Auf der anderen Seite steigen die Anforderungen und Forderungen seitens der Automobilhersteller permanent. Viele Zulieferer kämpfen nach wie vor ums Überleben - für Übernahmen oder Zusammenschlüsse fehlt es an Geld und Management-Ressourcen. In den prozessorientierten Segmenten wie Leichtmetallguss oder Metallbearbeitung, ist dagegen  nach wie vor erheblicher Konsolidierungsbedarf,  um die Profitabilität der einzelnen Zulieferer zu steigern. Es ist allerdings auch schwer für diese margenschwache Branche die notwendigen Finanzierungspartner zu finden. Wegen der ausbleibenden Konsolidierung und des weiter steigenden Preisdrucks in den nächsten Jahren das EBIT kaum über drei bis vier Prozent hinauskommen. 

Starke Finanzkraft gefordert

Schätzungen zufolge sind  ca. 800.000 Beschäftigte in ca. 3.600 Betrieben der Automobilzulieferindustrie tätig.  Zunehmende Komplexität von Technologien und Produkten, die fortschreitende Reduzierung der Fertigungstiefe der Herstellerunternehmen sowie eine auf Expansion ausgerichtete Marktlage stellen Zulieferer und deren Abnehmer gleichermaßen vor größere Herausforderungen denn je. Automobilzulieferer agieren im Vergleich zu anderen Industriezweigen unter besonderen Bedingungen. Sie stehen großen, international aufgestellten und agierenden Kunden gegenüber, die ihre dominante Verhandlungsposition spüren lassen.

Diese besonderen Bedingungen zwingen die Automobilzulieferer sich stärker als andere Industrien auf einen Preiswettbewerb einzulassen. Eine Technologieführerschaft ist unter dem Preisdruck der Automobilindustrie seltener möglich, es sei denn, sie gehören zu den besonderen Key-Providern wie BOSCH oder vergleichbare Player.Das Dilemma wird komplett, wenn  man vor dem Hintergrund der niedrigen Margen kargen Finanzierungsmöglichkeiten, die Notwenigkeit für Investments in internationale Produktionsstätten in der gewünschten Nähe der Hersteller in Betracht zieht.