Möbelindustrie

Die deutsche, durch einen hohen Anteil an Zuliefern gekennzeichnete, Möbelindustrie befindet sich seit Jahren in einer Konsolidierungsphase. Die überwiegend für den inländischen Markt produzierenden Möbelhersteller sehen sich Überkapazitäten und einer geringen Eigenkapitalausstattung und hohem Importdruck gegenüber. Der Markt zeichnet sich schon seit Jahren durch einen harten Verdrängungswettbewerb aus, der neben der Überproduktion vor allem durch eine gewisse Sättigung des Marktes ausgelöst wurde. Und das vor dem Hintergrund, dass die deutschen Möbelausgaben pro Einwohner im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz einnehmen.

Für Hersteller und Zulieferer der Möbelindustrie gelten aufgrund der erschwerten Marktbedingungen die kontinuierliche Verbesserung von Strukturen, Prozessen und Produktivität im Besonderen. Zusätzlich verschärft der Trend zur Internationalisierung bei der Produktion und auch beim Bezug von Vorprodukten die Lage der Zulieferindustrie.

Das Innovationspotenzial der Möbelhersteller liegt sowohl im Produkt- als auch im Prozessbereich: Neben dem Trend der Standardisierung und des weiteren Ausbaus des Niedrigpreissegments spielen Design und Qualität weiterhin eine wichtige Rolle. Die Produktion des Niedrigpreissegements verlagert sich immer mehr ins Ausland, besonders nach Osteuropa. Möbelstücke für das Hochpreissegment können nach Meinung der Hersteller jedoch mit dem gewünschten Qualitätsanspruch weiterhin nur in Deutschland gefertigt werden. In diesem Segment sind trotz hohem Anteil an Handarbeit noch Prozessinnovationen denkbar. Vor allem aber in Hinblick auf das Produkt bleiben die Innovationspotenziale ständig bestehen: neuen Formen und Funktionen sind keine Grenzen gesetzt, der individuelle Geschmack ist der Maßstab. Dabei spielt der Möbelhandel als mächtiges Nadelöhr der Branche jedoch bisher eine allzu nivellierende Rolle.

Auch bei den Zulieferern ist durchaus Innovationspotenzial vorhanden. Dies bezieht sich vorrangig auf neue technische Aspekte wie z.B. in der Sicherheitstechnik. Bei der Oberflächentechnik eröffnen neue Technologiefelder wie die Membran-, Nanooder Plasmatechnologie neue Entwicklungen. Einzelne Zulieferer z.B. aus dem Bereich Metallverarbeitung haben eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, die sich mit diesen Themenfeldern beschäftigen. Betrachtet man auf der einen Seite den beschriebenen Konzentrationsprozess und eine vorhergesagte Verringerung der Fertigungstiefe bei den verbleibenden Herstellern und auf der anderen Seite das Innovationspotenzial der Branche, so kann es langfristig durchaus zu einer Neubelebung der Branche kommen.

Eine besondere Stellung innerhalb der Wertschöpfungskette nimmt der Handel ein. Dieser zeichnet sich neben den Möbelhäusern (Einzelunternehmen oder Ketten) durch vorgeschaltete Einkaufskooperationen aus, die eine relative Macht ausüben.